Die Eheöffnung – ein persönliches und wütendes Plädoyer

Ich bin ziemlich sauer. Sauer und traurig. Ich stehe am Hamburger Jungfernstieg, halte mit der einen Hand die meiner Freundin und lese mit der anderen den neuesten Artikel von queer.de Ich habe nicht erwartet, dass die Eheöffnung plötzlich geschieht, aber wie selbstgefällig das „Bereinigungsgesetz“ verabschiedet worden ist, macht mich sauer und traurig. So sauer, dass ich mir irgendwie Luft machen muss. Und das Ergebnis könnt ihr hier jetzt lesen.


Warum heiraten wollen… nein, das ist falsch. Ich will ja vielleicht gar nicht heiraten, aber es ist etwas ganz anderes, es zu können, wenn ich wollte.

Warum wir das Recht haben wollen, zu heiraten?

Stellen wir uns kurz vor, dass die Lebenspartnerschaft vollkommen gleichgestellt sei. Komplett. Volles Adoptionsrecht. Alles super. Dann würde ich trotzdem wollen, dass ich die Ehe eingehen kann. Ich lebenspartnere doch niemanden. Wie bescheuert das schon klingt, als wolle sich unsere eigene Sprache gegen dieses lächerliche Konstrukt wehren. Ich gehe ein Versprechen für gegenseitige Verantwortung und Liebe ein, so wie jeder andere Mensch auch, der zufällig das andere Geschlecht für diesen Bund auserkoren hat. Es erregt in mir Übelkeit, wenn jemand denkt, dass mein Modell von rechtlichem Einstehen anders sei. Ich verstehe das einfach nicht. Was kann da der Grund sein? Die einzige Botschaft, die ich daraus ziehe, ist, dass meine Liebe nicht gleichwertig ist. Dass meine Liebe und mein Wunsch, für ein anderes menschliches Leben einzustehen, nicht genauso viel wert ist, wie wenn mein Versprechen einem Mann gelten würde.

Und die Kinder?

Kommt mir bloß nicht mit den Kindern. Ich habe sie bisher absichtlich nicht erwähnt. Denn Ehe schreibt rechtlich gerade keine Kinder vor. Sie sind der freien Entscheidung und Möglichkeit vorbehalten. Ich sage der Regierung, insbesondere meiner Partei, liebe SPD, ihr habt noch 10 Jahre, dann kann ich weder Kinder adoptieren, noch welche austragen. Wahrscheinlich ist das aber wirklich besser für unsere Gesellschaft. Da können wir noch so weltoffene gesellschaftskritische Akademikerinnen sein – die Tatsache, dass wir nicht die Möglichkeit haben, ungeplant schwanger zu werden, macht uns schon zu schlechten Eltern. Auch dieses Argument geht eigentlich ins Leere, denn es gibt genügend Menschen, die etwas „Starthilfe“ bei der Schwängerung brauchen. Also ist es die Tatsache, dass wir zwei Frauen sind. Da ist natürlich eine alleinstehende ungeplant Schwangere im Vorteil. Schließlich will sie bestimmt irgendwann nochmal einen Mann heiraten.

Armutszeugnis

Dass ihr die „Eheöffnung“ noch nicht vollbracht habt, ist ein Armutszeugnis. Genauso wie dieses Wort „Eheöffnung“, für wen öffnet ihr denn die Ehe? Für zwei Menschen, die sich lieben! Das braucht ihr gar nicht so gönnerhaft betiteln. Als hätten wir eine Bittstellung nötig. Unsere Gesellschaft sollte sich mal wieder gerade rücken! Ihr könntet euch glücklich schätzen, wenn ihr eure Gesellschaft mit unseren Lebenskonzepten bereichern dürftet, um die armseligen Grenzen des gesellschaftlichen Denkens zu überwinden, und uns zu einer besseren humanitären Gemeinschaft von Individuen zu erheben. Gerade der Zugang zu traditionellen Gebräuchen würde die viel umsorgte Identität der „besorgten Bürger“ stärken und zugleich Vielfalt schenken.

Wenn wir heiraten, wird sich der Wert eurer Heirat nicht mindern. Wenn wir heiraten, wird das „Familienbild“ nicht außer Kraft gesetzt. Schon wieder so ein arrogantes Wort. „Familienbild“. Wie soll denn bitte die perfekte Familie aussehen? Jeder Mensch hat doch ein ganz eigenes Bild von der perfekten Familie und nur ein Bruchteil von euch kommt an sein eigenes Idealbild heran. Ich möchte genauso das Recht haben, an dieser Wunschvorstellung einer Familie zu scheitern.

Schlechte Menschen seid ihr!

Ihr enthaltet uns etwas vor, das euch nicht mal einen Vorteil oder Schutz vor Nachteilen gewährt. Damit seid ihr einfach fiese Menschen. Schlechte Menschen seid ihr, wenn ihr mit falschen und ausgedachten Argumenten um euch werft. Solltet ihr sie nur glauben und nicht selber ausdenken, dann seid ihr wenigstens nur dumm. Wenn ihr diese Falschaussagen auf den Straßen rumbrüllt, benehmt ihr euch auch noch latent aggressiv. Jeder, der sich, seine Aussagen und Handlungen gegen diese längst überfällige Gleichberechtigung hinter der „Meinungsfreiheit“ versteckt, ist ein Feigling, der doch tief in sich schon erkannt hat, dass es ihm lediglich an objektiven guten und richtigen Argumenten fehlt. Er hat einfach das „Gefühl“, dass es doch schöner wäre, wenn alles so bliebe wie es ist. Es ist doch so viel einfacher, wenn jeder seinen Platz im Leben vorgeschrieben bekommt, als ihn sich zu suchen oder gar erkämpfen zu müssen. Es ist doch so viel leichter, andere auszuschließen, als sie mit in ihrer Mitte zu integrieren.

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